Kurzantwort: Jeder Matcha enthält Aluminium – die Teepflanze reichert es aus dem Boden in den Blättern an, und beim Matcha wird das ganze Blatt verzehrt statt nur ein Aufguss. Ein Verbrauchertest fand Gehalte von 0,4 bis 2,3 mg pro Gramm Pulver – also eine Spanne von fast dem Sechsfachen zwischen dem besten und dem schlechtesten Produkt. Die EFSA nennt als tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Aluminium enthalten ist, sondern wie viel – und das steht nur im Prüfbericht der jeweiligen Charge.

Matcha ist in Deutschland innerhalb weniger Jahre vom Nischenprodukt zum Trendgetränk geworden – die aus Japan importierte Menge hat sich von 2023 auf 2024 auf rund 240 Tonnen verdoppelt. Mit der Bekanntheit kam die erste kritische Prüfung: Ein Test von zwölf Matcha-Produkten durch die Verbraucherorganisation dTest, Partner der Stiftung Warentest, rückte einen Stoff in den Mittelpunkt, über den bei Matcha vorher kaum jemand sprach – Aluminium.

Dieser Beitrag ordnet ein: warum Aluminium überhaupt im Matcha landet, wie viel in einer Schale steckt, was der EFSA-Richtwert bedeutet und woran man beim Kauf ansetzen kann. Ohne Alarmismus – und ohne die Zahlen schönzurechnen.

Warum enthält Matcha überhaupt Aluminium?

Die Teepflanze (Camellia sinensis) ist ein sogenannter Aluminium-Akkumulator: Sie nimmt Aluminium aus dem Boden auf und lagert es bevorzugt in den Blättern ein. Das ist kein Verarbeitungsfehler und keine Verunreinigung, sondern Pflanzenphysiologie – ältere Blätter enthalten dabei in der Regel mehr als junge.

Beim klassischen Aufguss bleibt der größte Teil davon im Blatt zurück, weil nur ein Bruchteil ins Wasser übergeht und das Blatt anschließend entsorgt wird. Bei Matcha ist das anders: Das Blatt wird zu Pulver vermahlen und vollständig getrunken. Damit wird auch das enthaltene Aluminium vollständig aufgenommen. Genau deshalb taucht das Thema bei Matcha auf und bei losem Grüntee kaum.

Das ist die sachliche Erklärung dafür, warum jeder Matcha Aluminium enthält – auch Bio-Ware, auch Ceremonial Grade, auch teure Produkte. Ein Matcha ohne Aluminium existiert nicht. Wer mit „aluminiumfrei“ wirbt, sagt etwas, das analytisch nicht haltbar ist.

Wie viel Aluminium steckt in einer Schale Matcha?

Der dTest-/Warentest-Untersuchung zufolge lagen die geprüften Produkte zwischen 0,4 und 2,3 mg Aluminium pro Gramm Pulver. Umgerechnet auf eine typische Schale mit 2 g:

Gehalt im Pulver pro Schale (2 g) Einordnung
0,4 mg/g ca. 0,8 mg bester Wert im Test
ca. 1,0 mg/g ca. 2,0 mg mittlerer Bereich
2,3 mg/g ca. 4,6 mg höchster Wert im Test

Die Werte pro Schale sind aus den veröffentlichten Gehalten je Gramm gerechnet (2 g pro Schale). Der Test selbst nennt je nach Produkt und Portionsgröße 1 bis 11 mg pro Tasse – größere Portionen ergeben entsprechend höhere Werte.

Der entscheidende Punkt an diesen Zahlen ist die Spannweite: Zwischen dem am wenigsten und dem am stärksten belasteten Produkt liegt fast der Faktor sechs. „Matcha“ ist also keine einheitliche Größe. Die Frage lautet nicht, ob man Matcha trinken kann, sondern welchen.

Was bedeutet der EFSA-Richtwert?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2008 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) von 1 mg Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht abgeleitet. Diese Menge kann nach derzeitigem Kenntnisstand lebenslang wöchentlich aufgenommen werden, ohne dass ein gesundheitliches Risiko zu erwarten ist.

Konkret bedeutet das:

Körpergewicht TWI pro Woche
60 kg 60 mg
70 kg 70 mg
80 kg 80 mg

Rechnet man täglich eine Schale mit 2 g (also 14 g pro Woche), ergibt sich für eine Person mit 60 kg:

Gehalt im Pulver Aufnahme pro Woche Anteil am TWI (60 kg)
0,4 mg/g ca. 5,6 mg rund 9 %
ca. 1,0 mg/g ca. 14 mg rund 23 %
2,3 mg/g ca. 32 mg rund 54 %

Eigene Berechnung auf Basis der veröffentlichten Gehalte und des EFSA-TWI. Rundungen.

Der Punkt, der in den meisten Artikeln fehlt

Der TWI gilt für die gesamte Aluminiumaufnahme – nicht nur für Tee. Dazu zählen unter anderem Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln, Trinkwasser, unbeschichtetes Alu-Kochgeschirr und -Grillschalen sowie bestimmte Arzneimittel. Die EFSA schätzt die durchschnittliche ernährungsbedingte Aufnahme in der EU auf 0,2 bis 1,5 mg pro kg Körpergewicht und Woche, bei hoch exponierten Verbrauchern auf bis zu 2,3 mg/kg/Woche.

Das heißt im Klartext: Ein Teil der Bevölkerung schöpft den TWI bereits ohne Matcha aus. Matcha kommt also nicht zu einem leeren Konto hinzu, sondern zu einem teilweise schon belegten. Genau deshalb ist die Frage nach dem konkreten Gehalt im konkreten Produkt kein Detail, sondern der Kern der Sache.

Ebenso wichtig für die Einordnung: Der TWI ist ein Vorsorgewert mit Sicherheitspuffer, keine Giftigkeitsschwelle. Eine einmalige Überschreitung bedeutet keinen Schaden. Der Wert ist darauf ausgelegt, die dauerhafte Aufnahme über Jahre zu begrenzen.

Wie viel Matcha ist damit sinnvoll?

Die Verbraucherschützer leiten aus dem Test eine praktische Empfehlung ab: nicht mehr als etwa 3 g Matcha pro Tag, idealerweise verteilt auf mehrere kleine Portionen. Das entspricht rund ein bis zwei Schalen.

Diese Empfehlung ist schadstoffbezogen und damit eine andere Größe als die Koffein-Betrachtung, die wir im Beitrag Wie viel Matcha am Tag? beschreiben. Beide Grenzen laufen in der Praxis auf eine ähnliche Menge hinaus – aber aus unterschiedlichen Gründen. Wer sich an ein bis zwei Schalen täglich hält, liegt bei beiden im unkritischen Bereich.

Woran erkenne ich niedrig belasteten Matcha?

Ehrliche Antwort zuerst: nicht an Farbe, Duft oder Preis. Aluminiumgehalt ist sensorisch nicht wahrnehmbar, und teuer bedeutet nicht automatisch niedrig belastet. Es gibt genau einen verlässlichen Weg – die Analyse. Was sich vor dem Kauf trotzdem beurteilen lässt:

Ansatzpunkt Warum es hilft
Nach dem Parameter fragen, nicht nur nach „laborgeprüft“ „Laborgeprüft“ kann auch nur Mikrobiologie bedeuten. Aluminium muss ausdrücklich im Prüfumfang stehen.
Erntezeitpunkt beachten Jüngere Blätter der ersten Ernte enthalten tendenziell weniger Aluminium als spätere, gröbere Blätter – ein Anhaltspunkt, kein Beweis.
Herkunft benannt? Aluminiumaufnahme hängt vom Boden ab. Eine konkrete Region ist nachvollziehbarer als „aus Japan“.
Menge im Blick behalten Der wirksamste Hebel, den man selbst in der Hand hat: ein bis zwei Schalen täglich statt fünf.

Mehr zu den übrigen Qualitätsmerkmalen – Farbe, Textur, Umami, Herkunft, Ernte – steht in Guten Matcha erkennen: die 7 wichtigsten Qualitätsmerkmale. Warum die erste Ernte eine Rolle spielt, erklärt Matcha erste Ernte (First Harvest).

Wie MySilkRoadNature damit umgeht

Unser Matcha wird wie alle unsere Produkte chargenweise von unabhängigen Laboren geprüft. Welche Parameter für eine konkrete Charge untersucht wurden und mit welchen Ergebnissen, geht aus dem jeweiligen Prüfbericht hervor.

Was wir bewusst nicht tun: mit „schadstofffrei“ oder „aluminiumfrei“ werben. Beides wäre bei einem Blattprodukt sachlich falsch. Wie unsere Prüfkette aufgebaut ist und was das private Prüfwerk-Siegel bedeutet – und was nicht – legen wir auf der Seite Qualität & Laborprüfung offen.

Unser Sortiment: Ceremonial Matcha Saemidori aus Yame (Single Cultivar, First Harvest) und Culinary Grade Matcha aus Uji für Latte und zum Backen.

Häufige Fragen

Enthält jeder Matcha Aluminium?

Ja. Die Teepflanze reichert Aluminium aus dem Boden in den Blättern an, und beim Matcha wird das ganze Blatt verzehrt. Ein aluminiumfreier Matcha existiert nicht – die Gehalte unterscheiden sich aber erheblich, im Test um fast das Sechsfache.

Wie viel Aluminium ist in einer Tasse Matcha?

Bei den geprüften Produkten lagen die Gehalte zwischen 0,4 und 2,3 mg pro Gramm Pulver. Eine Schale mit 2 g enthält danach rechnerisch etwa 0,8 bis 4,6 mg; bei größeren Portionen entsprechend mehr.

Wie viel Matcha pro Tag ist wegen des Aluminiums vertretbar?

Verbraucherschützer empfehlen, nicht mehr als rund 3 g Matcha pro Tag zu trinken – etwa ein bis zwei Schalen, idealerweise über den Tag verteilt.

Ist Bio-Matcha weniger mit Aluminium belastet?

Nicht zwangsläufig. Die Bio-Zertifizierung regelt den Anbau, insbesondere Pflanzenschutzmittel und Düngung. Aluminium stammt aus dem natürlichen Bodenmineral und wird von der Pflanze unabhängig von der Anbauform aufgenommen. Aussagekräftig ist nur die Analyse.

Was ist der TWI und was passiert, wenn ich ihn überschreite?

Der TWI (tolerierbare wöchentliche Aufnahme) beträgt laut EFSA 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht und Woche. Er ist ein Vorsorgewert mit Sicherheitspuffer für die lebenslange Aufnahme, keine Giftigkeitsschwelle. Eine einzelne Überschreitung ist kein Grund zur Sorge; entscheidend ist die dauerhafte Aufnahme über alle Quellen hinweg.

Zählt nur Tee auf den TWI ein?

Nein. Der Richtwert gilt für die gesamte Aufnahme – dazu zählen auch Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln, Trinkwasser, unbeschichtetes Aluminium-Kochgeschirr und bestimmte Arzneimittel. Die durchschnittliche ernährungsbedingte Aufnahme in der EU wird auf 0,2 bis 1,5 mg pro kg Körpergewicht und Woche geschätzt.

Kann ich den Aluminiumgehalt meines Matcha erfahren?

Frage den Anbieter nach dem Prüfbericht der konkreten Charge und achte darauf, dass Aluminium als Parameter darin enthalten ist.

Quellen

Dieser Beitrag gibt den Stand öffentlich zugänglicher Untersuchungen und behördlicher Richtwerte wieder. Er enthält keine gesundheitsbezogenen Aussagen zu unseren Produkten und ersetzt keine individuelle Beratung. Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung.

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